Hauptgebäuder der Universität Bonn

Die Geschichte deutscher Universitäten ist auf vielfältige Weise mit dem Kolonialismus verbunden, sei es durch eine wissenschaftliche Legitimierung von Rassismus und kolonialen Bestrebungen, Sammlung von Objekten aus kolonialen Kontexten, oder Wissenschaftler*innen, welche aktiv an der kolonialen Ausbeutung beteiligt waren. Die Universität Bonn ist hier keine Ausnahme. Ferdinand Wohltmann sei stellvertretend für Wissenschaftler*innen genannt, die in den Kolonien aktiv waren. Er war ab 1894 Professor für Pflanzenbau und Bodenlehre an der Landwirtschaftsakademie in Bonn-Poppelsdorf und saß ab 1897 im Vorstand der Deutschen Kolonialgesellschaft. Zudem unternahm er in seiner Zeit an der Universität Bonn zahlreiche „Forschungsreisen“ in die deutschen Kolonien. Ein weiteres prägnantes Beispiel sind die verschiedenen Sammlungen der Universität Bonn. Für viele Objekte (aus kolonialisierten Gebieten) ist nicht klar, wann und in welchem Kontext sie erworben wurden. So finden sich beispielsweise in der Bonner Altamerikasammlung (BASA) ein Hahn und ein Vogel aus dem Königreich Benin (heutiges Nigeria). Die so genannten „Benin Bronzen“ waren in der Vergangenheit bereits mehrfach Thema in den Medien und sind eines der prominentesten Beispiele für öffentlichkeitswirksame Rückgabeforderungen (vgl. Mükke & Wiesner 2018 oder Hoff 2018). Für die Bonner Altamerikasammlung ist lediglich der Erwerb der beiden Figuren aus England dokumentiert. Wie sie nach Europa kamen, ist hingegen nicht festgehalten. Die BASA versucht als Universitätssammlung bereits andere Wege der Museumskuration zu gehen und die Geschichte der Objekte offen zu legen oder Ausstellungen partizipativ zu entwerfen. Gleichzeitig wird deutlich, wie schwierig die aktive Aufarbeitung und Thematisierung der eigenen kolonialen Vergangenheit ist. Wie findet man heraus, welche Objekte in der Vergangenheit unter kolonialen Bezügen erworben wurden? Wie geht man mit diesen Objekten um? Wie diskutiert man das Thema der Rückgabeforderungen?

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