Frankenbadplatz in Bonn

Der Vorplatz des Frankenbades (ehemals Adolfplatz 1902-1922, Frankenplatz 1922-1960) zählte bis zum Bau des Frankenbades 1960 zu einem der größten öffentlichen Plätze Bonns (vgl. Weber 2013 oder sas 2015). Dort fanden neben Obst- und Gemüseverkauf auch Jahrmärkte und Zirkusaufführungen statt. Im Zuge dessen wurde der Platz bis in die 1930er Jahre auch für die Zurschaustellung von Menschen, so genannte Völkerschauen, genutzt. Der heutige Frankenbadplatz war allerdings nicht der einzige Veranstaltungsort für derartige Zurschaustellungen. So trat 1900 beispielsweise eine „Dahomey-Amazonen Karawane“ im damaligen Eden Theater auf und 1930 gastierte der Zirkus Sarrasani  auf dem damaligen Loe-Reitplatz. Ein Teil der Sarrasani-Zirkusshow war eine Gruppe Sioux (First Nations People aus den USA), welche eine stereotype „Western Show“ auf die Bühne bringen sollten. Exemplarisch zeigt sich hier, dass die Exotik der Darsteller*innen das zentrale Verkaufsargument von Völkerschauen war: „Mr. Miller mußte selbstverständlich auch alles mitbringen, was nach Karl May zu einem richtigen Indianer gehört, also: Federschmuck, Perlstickereien, Lederhosen, Tomahawks, Pfeil und Bogen, Zelte, Lagerfeuer. Denn unsere Original-Rothäute hatten keine Ahnung von alledem, sie waren genauso harmlos und unromantisch wie jeder andere Amerikaner.  […] Aber ihnen ein indianisches Betragen beizubringen, war nicht so leicht. Die Männer mußten im Gebrauch von Pfeil und Bogen unterwiesen werden, die [Frauen] im Sticken bunter Perlmuster, und den Kindern mußte man abgewöhnen, immer an unseren Autos herumzuspielen, anstatt primitives Familienleben mitzumachen“ (Thode-Arora 1989: 29f.).

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